Pula und das 3000 Tonnen-Problem

Pula ist die größte Stadt in Istrien. Die Partnerstadt von Trier in Rheinland-Pfalz hat ca. 57.000 Einwohner (http://www.citypopulation.de), das sechstgrößte Amphitheater weltweit, einen Triumphbogen und ein 3000-Tonnen schweres Problem.

Bauwerk Amphittheater Pula

Weil Pula in Kroatien eine sehr lange Geschichte hat, kann man auch von der Wasserseite auf unzählige Ereignisse blicken. So gab es viele Kämpfe und Schlachten, die hier an der Küste und ganz besonders an den (alten) Hafenanlagen stattgefunden haben. Eben wegen dieser historischen und gut erhaltenen Bauwerken und der lebendigen Geschichte kommen viele Kreuzfahrtschiffe mit Ihren Gästen nach Pula. Auch wenn es eigentlich eine Standart-Situation für die Crew ist, solch ein Schiff anzulegen, gibt es in Pula doch ein außergewöhnliches Problem – nämlich 3000 Tonnen Stahl und Eisen im Hafenbecken.

Dieser Stahl stammt von versenkten, alten Kriegsschiffen und ebenso alten Hafenanlagen, meist noch aus dem ersten Weltkrieg.

 

Tegetthoffklasse Kriegsmarine Viribius Unitus

Pula war schon in der Historie ein wichtiger und großer Marinehafen und auf Grund findet man Reste von Schiffen aller möglichen Epochen. So auch zum Beispiel die österreichisch-ungarische Viribius Unitis („viribius unitis“ = mit vereinten Kräften, erstes Schlachtschiff der Tegetthoff-Klasse der K.u.K Kriegsmarine), welches 152 Meter lang war und am 01.11.1918 versenkt wurde. Ebenso auch Teile der bekannten Uljanik-Werft. Dazu liegen viele alte Ankerblöcke und gesunkene Fischerboote sowie Minen und Bomben auf dem Meeresgrund vor Pula.

 

Pula und Stahl unter Wasser – eine Gefahr für Schiffe

Man könnte fast behaupten, hier liegt ein Museum unter Wasser aber für die einlaufenden Schiffe sind diese stählernen Überreste eine gefährliches Pflaster bis an das Ufer bzw. die Pier. So ist es auch schon passiert, dass sich der Anker eines Kreuzfahrtschiffes beim Einholen im Stahlschrott verfangen hat. Das große Schiff konnte den Hafen nicht ohne die Hilfe eines professionellen Tauchteams verlassen. Der Anker steckte unter einem Ankerblock aus der der Zeit, wo Kroatien unter österreichisch-ungarischer Herrschaft stand, fest. Dies ist kein Einzelfall, denn die alten Ankerblöcke wiegen bis zu 9 Tonnen und sind 2x2x2 Meter groß – da hakt sich ein Anker doch gerne ein. Die Blöcke sind teilweise mit 3 Ankern am Meeresboden befestigt und haben den Marineschiffen der damaligen Zeit zur Befestigung gedient. Heute „docken“ dort eher versehentlich größere Kreuzfahrtschiffe an den 100 Jahre alten Anlagen.

Immer mehr Kreuzfahrtschiffe in Pula

Taucher Viribius Unitus

Weil die Kreuzfahrtbranche boomt, die Schiffe größer werden und immer öfter Pula anlaufen, muss hier dringend etwas geschehen. Es gibt bereits Verhandlungen, aber die Kosten für das „Aufräumen“ des Meeresbodens soll mehr 10 Millionen Euro betragen. So wird dieses Projekt vermutlich verschoben, bis das neue Terminal für Kreuzfahrer in Pula gebaut (Baukosten ca. 1 Milliarde Kuna) wird. Außerdem gibt es einen italienischen Investor, der gern die Nachlässe der Vergangenheit heben, säubern und ausstellen möchte. Alles in allem wird dies keine Aufgabe für eine Woche oder einen Monat sein. Man plant eher mit ein paar Jahren, die es dauern wird, den Stahlschrott zu bergen.

Ein Historiker erklärt die Anordnung der Ankerblöcke, die so liegen, dass die sehr weit entwickelte Marinetechnik und die gut ausgestatteten Kriegsschiffe der österreichisch-ungarische Marine sie zusammen mit Schwimmpontons zum Anlegen in 2 Reihen nutzen konnten. Denn die Marineschiffe waren zu groß, um an der Pier festzumachen. So findet man zwischen diesen Ankerblöcken die Viribius Unitis, die zum Ende des 1. Weltkrieges in kroatischen Besitz über ging. Sie wurde mit dem Rest der österreichisch-ungarischen Flotte versenkt wurde.

Bergung der Veribius Unitis?

Der obengenannte italienische Investor möchte die noch übrigen Teile der Viribius Unitis erhalten. Der Hauptanker und ein Teil des Bugs wurden bereits geborgen und sind in einem Museum in Venedig zu sehen. Weil schon lange klar ist, dass das Schiff nicht in einem Stück gehoben werden kann, begann man schon vor längerer Zeit, es in einzelne Segmente zu teilen. Diese sollen dann irgendwann einzeln gehoben werden. Zum 100. Jahrestag des Untergangs wird man in Pula der Geschichte der Viribius Unitis gedenken.

Bilder: istrianet, Wikipedia, ACI

Kroatien-News
 

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