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Start in die Charterwoche – Blick hinter die Kulissen

Ein Blick hinter die Kulissen – was passiert eigentlich zwischen Rückgabe und Übergabe eines Charterschiffes?

Klar ist, dass eine Menge Leute eine Menge Arbeit haben – samstags zwischen 10.00 Uhr und 17.00 Uhr. Dann ist nämlich in allen Marinas „Rush-Hour“. In der Marina Dalmacija liegen beispielweise 1200 Schiffe und Yachten, und es ist geradezu vergleichbar mit einem Ameisenhaufen, wenn man die Bewegungen dort beobachtet, an einem „ganz normalen Samstag“. Über das, was dort alles in 7 Stunden passiert, wollen wir heute berichten.

Klar ist, dass viele Segelurlauber abreisen und ebenso viele neue Segel-Urlauber anreisen. Natürlich sind auch einige Motorboot-Fahrer dabei, die eine Yacht chartern aber der Großteil möchte sich mit Windkraft auf dem Wasser bewegen. Weil die einen mit dem eigenen Auto anreisen, andere mit dem Flieger und wieder andere sogar mit dem Bus, wimmelt es natürlich überall von Fahrzeugen. Taxis und kleine Shuttlebusse bringen die Urlauber vom Airport im Dauereinsatz, private PKWs werden entladen und suchen (manchmal verzweifelt) nach Parkplätzen und die Crews, die mit einem Fern-Bus angekommen sind, schlendern mit ihren Taschen Richtung Rezeption.

 

Klar ist, warum sie alle her kommen, hier nach Kroatien. Die Windverhältnisse sind fast den ganzen Sommer konstant gut. Dazu hat Kroatien 1246 Inseln und insgesamt 5835 Küstenkilometer. An vielen Stränden weht die blaue Fahne als Zeichen für besonders gute Wasserqualität und von Mai bis September gibt es monatlich zwischen 200 und 250 Sonnenstunden, wie man am Vergleich (blau 2017 / schwarz 2016) sieht.

Malerische Buchten, felsige Klippen, kleine verschlafene und auch lebendige größere Orte entlang der Küste bieten für jeden etwas. Dazu eine Menge Kultur und historische Bauwerke und Überlieferungen und natürlich bestes Essen – das alles macht Kroatien aus.

 

 

Klar ist, das in diesem Jahr noch mehr Segler und Bootfahrer nach Kroatien gekommen sind als im Vorjahr, wohl auch wegen den politischen und gesellschaftlichen Lagen in manch anderen Ländern. Dazu sprechen sich natürlich die Gastfreundlichkeit, die gut ausgebaute nautische Infrastruktur und die Vorzüge des Reviers schnell rum. Und wer einmal da ist, der möchte natürlich möglichst schnell auf sein gechartertes Schiff. Aber bevor das Schiff um 17.00 Uhr (manchmal mit etwas Glück auch ein wenig eher) übernommen werden kann, hat hier ein fleißiges Team gewirbelt und manchmal auch kleinere und größere Wunder vollbracht:

Klar ist, dass viele verschiedene Personen dazu bei tragen, dass ein Charterschiff für jeden neuen Gast in einem einwandfreien technischen und optischen Zustand zur Verfügung steht. Am frühen Samstagmorgen stehen also Mechaniker, Reinigungspersonal und auch Taucher schon in den Startlöchern, um Ihre Arbeit an den Yachten zu verrichten. Alles ist bis auf die letzte Sekunde durchorganisiert.

Der Taucher überprüft das Unterwasserschiff und den Antrieb, denn auch die Adria hat viele flache Stellen, an denen Beschädigungen unter Wasser entstehen können. Da der Verursacher für den Schaden aufkommen muss – oder dessen Versicherung, muss der Taucher seine Arbeit schnell erledigen, solange der Gast noch an Bord bzw. vor Ort ist und die Formalitäten geklärt werden können. Natürlich ist das auch ein wichtiges Sicherheitsthema und jeder neue Skipper verlässt sich auf ein technisch einwandfreies (Unterwasser-)Schiff und möchte sich und seine Crew nicht durch einen Schaden des Vorgängers, im schlimmsten Fall – in Bedrängnis bringen lassen.

Der Mechaniker kümmert sich um Motoren, Technik, bei Segelschiffen um das stehende und laufende Gut, sichtet und prüft, und manchmal passiert es auch, das ein Gast etwas reklamiert, was während des Törns kaputt gegangen oder ausgefallen ist. Natürlich darf auch die Wartung nicht vergessen werden, was in der Saison eben nur in der kurzen Zeit zwischen Rückgabe und Übergabe möglich ist. Öl und Wasser auffüllen, diverse bewegliche Teile müssen geschmiert werden – ein typischer, wiederkehrender Wartungsaufwand. Manches Ersatzteil ist auf Lager, andere müssen bestellt werden und sind hoffentlich auf die Schnelle lieferbar – schlimmstenfalls muss der Mechaniker improvisieren – und das so, dass der Gast keinerlei Einschränkungen hat und sicher unterwegs ist. Sei es der ausgefallene Kühlschrank oder auch ein verschlissener Tampen, alles kann einmal kaputt gehen. Dazu muss zeitnah überprüft werden, ob auch noch alles an Bord ist, was der Chartergast bei seiner Abfahrt dabei hatte. Fender entwickeln manchmal Ihr Eigenleben und gehen verloren, Verschlüsse des Seezaunes können kaputt gehen oder Sicherungssplinte kommen abhanden. Auch Dinghis mögen manchmal nicht ständig angebunden sein und beherrschen die Tricks der Fernentknotung während Standup-Paddles gern mal aufstehen und von Bord rutschen.

Natürlich gibt es auch tropfende Wasserhähne, verstopfte Toiletten und vibrierende Motoren oder auch einfach nur die kaputte Glühbirnen. Irgendwas ist eben immer. Ganz beliebt sind natürlich bei den Mechanikern auch Badeplattformen, die die Nähe einer Stadtmauer oder eines Steges gesucht haben. So gibt es für die Mechaniker viele kleine und große technische Dinge, die es bei der Rückgabe und Vorbereitung eines Charterschiffes zu beachten gibt.

Die Reinigungskräfte haben oftmals nicht mehr als 30 – 45 Minuten um eine Yacht von Innen wieder auf Vordermann zu bringen. Leider sind nicht immer alle Gäste auf einem gecharterten Schiff so reinlich wie zu Hause aber die Reinigungskräfte kennen alle Zaubertricks um ein Schiff wieder in einen ordentlichen Zustand zu versetzen. Es müssen alle Betten neu bezogen werden (je nach Yacht zwischen 8 und 12), Bäder und Duschen gereinigt, Handtücher getauscht und Kühlschränke (da verbindet sich während des Törns gern mal Marmelade oder Honig vom Frühstück mit dem Inhalt einer umgekippten offenen Flasche Karlovacko zu einem undefinierbaren Kleber) ausgewaschen werden. Reste von Sonnencreme sind eine Herausforderung und befinden sich gern auf Sitzpolstern, dort klemmt ein Keks (Gott sei Dank keine Schokolade) zwischen den Polstern, da hat wer beim Leeren des Aschenbechers den Mülleimer verfehlt und – uuups, da ist auch noch die Tomatensauce beim letzten Mal Kochen aus dem Topf gesprungen. Das kennen wir natürlich alles von zu Hause und man kann sicher sein, dass das Reinigungsteam jeden Krümmel findet und jede Verschmutzung verschwinden lässt. Geöffnete und übrige Lebensmittel gehen mit Hilfe des Reinigungsteams von Bord. Der ein oder andere Gast entscheidet sich, geöffnete Toilettenartikel an Bord zurück zu lassen, zugunsten eines gekauften Souvenirs, gezollt dem raren Platz im Koffer. So wird im Eiltempo geputzt, geschrubbt, gewienert und Müll entsorgt – bis alles für den nächsten Gast wie neu ist.

Auch außen gibt es genug zu tun, das Deck muss gereinigt werden, das Salzwasser muss runter, Abdrücke von Fendern oder vielleicht missglückten Anlegemanövern müssen entfernt oder schlimmstenfalls repariert werden, hier und da muss poliert oder auch ein kleinerer GFK-Schaden auf die Schnelle ausgebessert werden. Viel Arbeit für ein großes, fleißiges Team, bis die nächsten Gäste an Bord kommen. Oder wie man auch so gerne sagt: Großkampftag.

Nun kann sich jeder vorstellen, was passiert, wenn das Team aus Mechanikern, Taucher, Reinigungspersonal und natürlich auch dem Personal hinter dem Tresen, 40, 50 oder noch mehr Schiffe in 7 Stunden vorbereiten muss – ungeplante Defekte und Probleme sowie unvollständige Unterlagen – eingeschlossen. Wenn dann die urlaubshungrigen Gäste das Schiff schon früher übernehmen möchten, bedeutet das noch weniger Zeit für die Pflege und Reinigung des Schiffes und es kann auch schon mal –natürlich unabsichtlich – etwas auf der Strecke bleiben, was vielleicht in dem Moment aufgrund des Zeitmangels nicht auffällt, aber leider dann zum Ärgernis in der Urlaubswoche wird. Eine nicht entdeckte verstopfte Toilette – das wünscht sich einfach kein Gast an Bord eines Schiffes. Ebenso wenig freuen sich Segler, wenn irgendwo eine Rolle klemmt oder ein Tampen ausfranst oder gar reißt.

Und klar ist nun letztendlich auch, alle wollen doch nur das eine: eine perfekte Urlaubszeit auf dem Wasser.

Kroatien-News
 

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